Kaum eine Aufgabe macht Hundehaltern so viel Angst. Meist, weil es beim ersten Mal geblutet hat – und der Hund sich seitdem wehrt. Es geht auch anders.
Woran du erkennst, dass es zu lang ist
Im Stand auf hartem Boden sollten die Krallen den Boden nicht berühren. Klackt es beim Laufen auf Fliesen, sind sie zu lang.
Zu lange Krallen verändern die Stellung der Pfote. Der Hund verlagert sein Gewicht nach hinten, was auf Dauer Zehen, Gelenke und Rücken belastet. Das ist der eigentliche Grund, warum es wichtig ist – nicht die Optik.
Das Leben in der Kralle
In jeder Kralle verläuft ein Blutgefäß mit Nerv, das sogenannte Leben. Schneidet man hinein, blutet es und tut weh.
- Helle Krallen: Das Leben ist als rosa Strich sichtbar. Etwa zwei Millimeter davor schneiden.
- Dunkle Krallen: Man sieht nichts. Hier in kleinen Schritten arbeiten und nach jedem Schnitt die Schnittfläche ansehen. Erscheint in der Mitte ein feuchter, dunkler Punkt, ist das Leben nah – ab da nicht weiter.
Das Leben wächst mit
Bei lange nicht geschnittenen Krallen ist es weit vorgewachsen. Dann kann man nicht auf einmal kürzen. Alle ein bis zwei Wochen ein kleines Stück – das Leben zieht sich nach und nach zurück. Nach ein paar Monaten ist die Kralle wieder in normaler Länge.
So gehen wir vor
Ruhe vor dem Werkzeug
Die Pfote anfassen, halten, wieder loslassen. Wenn der Hund dabei schon zieht, hat Schneiden keinen Sinn. Erst muss das Anfassen normal werden.
Gutes Licht und feste Haltung
Die Pfote so halten, dass du die Kralle von der Seite siehst. Bei langhaarigen Hunden das Haar zwischen den Ballen zur Seite streichen.
Schräg schneiden, in Wuchsrichtung
Nicht quer, sondern im Winkel der natürlichen Krallenform. So bleibt die Spitze stabil und splittert nicht.
Lieber zu wenig als zu viel
Zwei Millimeter zu kurz sind ein Erlebnis, an das sich der Hund jahrelang erinnert. Zwei Millimeter zu lang schneidet man in zwei Wochen nach.
Die Wolfskralle nicht vergessen
An der Innenseite der Vorderläufe, manchmal auch hinten. Sie hat keinen Bodenkontakt und nutzt sich deshalb nicht ab – sie wächst im Extremfall in den Ballen ein.
Aufhören, solange es gut läuft
Zwei Krallen heute, zwei morgen. Besser als alle achtzehn in einer Sitzung mit einem Hund, der irgendwann die Geduld verliert.
Wenn es blutet
Ruhig bleiben. Ein Blutstiller-Stift oder -Puder stoppt es in wenigen Sekunden. Ohne das: sauberes Tuch fest auf die Kralle drücken, zwei bis drei Minuten halten. Kein Mehl, kein Hausmittel.
Blutet es länger als zehn Minuten, ruf den Tierarzt an.
Wie oft
Alle drei bis sechs Wochen, je nachdem wie viel der Hund auf hartem Untergrund läuft. Wer viel auf Asphalt unterwegs ist, braucht seltener zu schneiden als ein Hund, der überwiegend auf Wiese und Waldboden läuft.
Bei Welpen früh anfangen, auch wenn nichts zu kürzen ist. Einmal pro Woche die Pfoten in die Hand nehmen und die Zange kurz ansetzen, ohne zu schneiden. Das erspart später viel Streit.
Wenn der Hund sich wehrt
Meist steckt eine schlechte Erfahrung dahinter. Zwingen macht es schlimmer. Was hilft: die Pfote über Wochen immer wieder anfassen, belohnen, und die Zange nur in der Nähe liegen lassen, ohne sie zu benutzen.
Und wenn es nicht klappt: Wir machen das im Salon in zwei Minuten, ohne dass die Beziehung zwischen euch darunter leidet.
Passend dazu
Werkzeug für die Pfotenpflege findest du bei unserem Zubehör. Nach dem Schneiden lohnt sich ein Blick auf die Ballen – bei trockenen, rissigen Ballen hilft ein paar Tropfen Arganöl.
Unsicher, was zu deinem Hund passt? Der Pflegeberater zeigt es dir in vier Fragen.
